125. – Wer?

Wer hütet die Hirten?
Wer beschützt uns vor den Beschützern?

Ich erwarte Widerstand.
Findet von mir aus Gefallen an mir, doch lasst euch bloß nicht mich gefallen.
Ich fordere vielmehr Zweifel, und Aufbegehren.
Mich respektieren heißt, mir Fragen zu stellen, und mich in Frage zu stellen.
Ins Gesicht, und nicht, sich feige hinter meinem Rücken Verbündete zu suchen,
um mich in konzertierten Aktionen zu stürzen.
Dann wäre nichts gelernt.
Ich vermisse offenen, respektvollen Konflikt.
Nachgeben, Einsicht, Schuldeingeständnis, Vergebung, Weitermachen.

Gottvater gehört in den Arsch getreten. Wie allen Vaterfiguren, früher oder später.
Am siebenten Tage aber sollst Du Ihn um Verzeihung bitten.
Auf Knien, womöglich. Kommt auf den Tritt an.
Am siebenten Tage. Nicht die ganze Woche. Nicht die ganze verdammte Woche.

Dafür stellen wir Mönche und Nonnen ab, Geistliche, sorgen
für ihr Obdach und ihr Leibeswohl,
mit dem, was wir an den sechs Tagen unserer Arbeitswoche
erwirtschaftet haben, der Erde abgetrotzt:
Steuern, Kollekten, Spenden, Almosen.
Wir: Diejenigen, die jene versorgen, die es selbst nicht können.
Kinder, Alte, Behinderte und Kranke. Und Geistliche, Künstler, Propheten.
Sie: Die uns lehren, warum. Die uns zeigen, wozu. Die uns in den Arsch treten,
die uns trösten und aufrichten.
Wir und sie sind gleich, irgendwann – und immer. Viele sind wir, viele. Viele. Alle.

Wer hütet die Hirten?
Wer deutet die Propheten?

weiter

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