65. – Einmal (500 Bücher)

sie sprach
von verstorbenen Freundschaften
von ihrer ersten Liebe
an die nie wieder eine rankäme
nicht mal ihr Mann
der davon nie erfahren habe
sie habe gut gelebt
auch nach ihm
dies sei genug
dankbar sei sie
was sie nicht alles durchgemacht habe
und überlebt
daran erstarkte
an ihren Fehlern
würde nichts anders machen
oder doch alles
nein, sie sprach nicht
sie redete

wie im Leben
wie am Leben
klammerte sie
sterbend sich an jedes Wort

jede Woche mindestens ein Buch
seit ich sie kannte
Disziplin, Gewissen
eiserne und schlechtes

die meisten Bücher hatte ich besorgt
geschriebene Worte
vertrieben Einsamkeit
seit ihr Mann gestorben war
Schriftsteller
mir unbekannt

nach ihm
war ich
zehn Jahre
unerwartet lange
ihre Sterbebegleitung
mein Beruf

alle Bücher gemeinsam gelesen
erst sie, dann ich
anfangs manchmal, zuletzt meist
las ich ihr vor

dann die gemeinsamen Gespräche

und stets:
nur die Worte nahm sie wahr
und nie die Schrift
ich musste oft mich grausam fragen
war sie ihres Mannes Tod?

doch

gütige Augen
scharfer Geist
die Stimme eines Engels
sie war sein Leben

und
was stirbt mit ihr in mir? Was bleibt?

ich schreibe

doch nur dies Einmal

über sie

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