86. – Gläserne Geländer (Ich füge mich in Hybris)

Wäre es noch grauer, dann wäre es durchsichtig,
wie ich, der ich mir hybride Transparenzen gönne,
übermütig-dreiste, durchschaubare Doppeldeutigkeiten.

Ohne Farben riecht es genauso wie schwarzweiß.
Es räuspert sich unantastbar diskret,
macht so akustisch auf sich aufmerksam;

und doch
ist es der dabei entstehende Luftzug, der mich zurückholt
zu den Worten, den Wörtern, Leerzeichenlückenfüllern.

Wäre es noch grauer, dann wäre es durchsichtig,
wie ich, der ich mir hybride Transparenzen gönne,
übermütig-dreiste, durchschaubare Doppeldeutigkeiten.

Zeilensprünge sind mir heute wie
Sprünge in glasierten Tongefäßen,
und nicht wie einst, als sie einen Satz machten.

Fugen tun sich aufdringlich wohldurchformt mir auf,
doch Inhalt tragen sie nicht zu mir heran;
nur Ton, nur Töne, Scherben, Schall und Rauch.

Wäre es noch grauer, dann wäre es durchsichtig,
wie ich, der ich mir hybride Transparenzen gönne,
übermütig-dreiste, durchschaubare Doppeldeutigkeiten.

Die Flächen, die ich putze, verwehren mir den Blick
aufs Eigene, zeigen Fremde nur, in mir.
Sogar die Scheiben bleiben Bilder, fiktiv, imaginär …

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