144. – Himmel (Ich atme Türme)

I.

Wolkenkratzern widerfährt Widerstand
nicht nur von Wind und Wetter,
sondern auch von den Ideen, die sie
ragend repräsentieren.

Noch einmal hehren Himmel atmend, schnappend,
fallen sie, Zwillinge,
kursabweichendem, heißkaltem Kalkül
zum Opfer, Märtyrerbedürfnis.

In den Himmel gebaut, hölleverfallen,
werden sie, sich legend, eins
mit einander und der Insel, auf der sie standen
und mit vielen Millionen Atemwegen.

II.

Sie wollten nicht ihren Vater erkennen,
in dem schönen Sturz des Falling Man,
denn eher sei er katholisch verglüht, als dass er sich
feige im Selbsttod der Hölle verworfen hätte.
Er müsse anderer Kinder Vater und Bruder sein.

Tragisch besungen auf Ruinen und vor Gräbern
werden die Männer in Uniformen,
weil es so dieselben namenlosen Helden sind,
die man in die Wüsten schicken wird. Opfergaben.
Stellvertreter, Sündenböcke. Bocksgesang.

Gott im Handgepäck, Märtyrerbedürfnis,
bringen wir Ihm doch noch Menschen dar,
unter dem Vorwand der Freiwilligkeit.
Verwirkte Freiheit. Geformte Willfährigkeit.
Gekaufte Seelen. Gebaute Türme. Trotz.

III.

Wir errichten ihnen ihre Türme,
Arbeitsplätze in den Wolken
für reiche Schreibtischtäter,
stellen Wachen vor die Aufzugtüren.

Wir trotzen Armut, verkennen Seele,
bis sie uns, auf stählernen Flügeln,
kerosinbeladen,
direkt ins Büro geflogen kommt.

»Bitte stellen Sie heute niemanden durch.«

weiter

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