3. – Asche (Glaube, Liebe, Hoffnung)

Als er sich die Erde von den Händen streicht, stellt er fest, dass diese Erde, dieser Sand, dieser märkische Sand, derselbe Sand ist, der den Sandkasten eines Kindheitssommers füllte.
Er hatte Löcher gebohrt mit seinen Händen, gewaltige Gruben ausgehoben, wie er damals fand, und hatte geglaubt, irgendwann auf Wasser stoßen zu müssen.

Mutter rief vom Balkon. Mutter, deren selbstgewählte Urne nun von dieser sandigen Erde bedeckt wird.
Sie rief von oben – es war im dritten Stock, gleich neben dem Spielplatz –, damit er hochschaue. Damit er auch sie sehe. Damit sie wisse, dass er sie hört. Er erhob sein Gesicht, sie hob ihre Hand.

Und immer rief Mutter zum Abendessen, bevor er seinen Brunnen hatte fertig bauen können. Nie war sein Werk getan. Die Grube war nie groß genug. Und bevor das Essen aufgetan würde, immer beim Händewaschen, erhielte er das Lob, das ihn antreiben würde, morgen weiterzugraben.
Eifrige Friedhofsangestellte füllen schon das, was vom Loch blieb, auf. Er reißt sich los von der Gruppe der Trauernden. Und er greift mit beiden Händen in den Sand, steckt sich je eine Handvoll in die Jackentaschen.
Er schaut hoch in den Frühlingshimmel. Es wird bald regnen.

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