dramatisiert

Mein Schlaf trägt mir wieder Material zu. Die Insel des Dr. Moreau; Chimären und Cyborgs. Mischwesen. Ganz klar, fast nichtgeträumt. Also nochmal H.G. Wells lesen.
Inseln, Traumräume, Stadtgrün. Neue Bücher bestellt.
Künstliche Organe, künstliche Menschen, künstliche Räume, Zivilisation, begriffen nach Derrick Jensen als Orte, die vor Allem von außen versorgt werden müssen. Dem Untergang geweiht, also, da unnachhaltig. Die Hälfte der Menschen lebt seit 2008 vom Rest der Welt. Immobilienblase. Operation Gegossenes Blei. Ich sehe da auch die Festung Europa in construction.
Entdeckt: Mir fehlen die Klassiker.
Die Tragöden habe ich gründlichst bearbeitet, siehe Drachentöter – Ein Familienroman. Betrat Gott eine Bühne als Er Mensch wurde? Monotheismus als Folge der Urbanisierung? Der pluralistischen Ballungsräume? Der Zuteilung der Rollen? Abschied von Brunnen- und Dorf-Gottheiten. Die Hölle kein Ort mehr, sondern innerer Zustand. Des Nichtannehmenkönnens. Das Verhältnis zur Rolle. Spiel? Ob mensch sich trifft, und einander, oder nicht. Jeder Treffpunkt ist eine Insel.
Wieviel Zehntausende passen auf den Platz vor der Semperoper?

Neue Leseliste:
– Platon
– Aristoteles
– Augustin
– Thomas von Aquin
– Dante
– Luther
– Milton
– Spinoza
Keine Eile.

Hülsen

Allah ist groß. So, jetzt hab ichs gesagt. Gott sei groß, geht als Aussage auch bei mir durch.
Die Aussage ist aber nicht ganz dieselbe, ich weiß, denn die Einen sagen „Allah“, die Anderen „Gott“ – und wir sind nicht Alle gleich*. Um Denotat und Konnotat auseinanderzuhalten, braucht mensch jeweils Hintergrundwissen, machmal Sprachwissen. „Allahu akbar“ (arabisch) wird auch mit „Gott ist größer“ übersetzt, oder mit: „Gott ist der/das Größte“ („Elativ“ googlen. Selber. Keine Links in diesem Artikel. Siehe unten.)
Wer einfach nur schreit, Allah sei groß, sagt vor Allem aus, dass es gerade um Größe geht, um Macht. Er_sie verschafft dieser Vorstellung von Gott – und von legitimierter Macht – Gehör. (Wenn es denn Jemand hört, das Gesagte.) Ohne Kontext ist „Gott“ nur eine Worthülse.

Ein Kontext:
Man habe den Propheten gerächt, war letztens – medial vermittelt – zu hören. (Französisch: „On a vengé le prophète Mohammed!“) Und Gott sei groß, eben. Da ist Gott bei Vielen ein ganzes Stück kleiner geworden.
Diese Leute meinten nicht den Allerbarmer, den Gott, der es schafft, Alles zu verzeihen. Das, was uns Menschen so schwerfällt. Verzeihen; Nichträchen.
Junge Männer mit Waffen stehen auf den Vergeltungsgott. (Darf ich hier „Schwanzvergleich-Gott“ schreiben, ohne unnötig blasphemisch zu wirken?) Wenn sie älter werden und ihre Söhne ihnen die Waffen abgenommen haben, dann gehen sie zum IcherklärmirdieWelt- und IchhabeRecht-Klugscheiß-Gott über.
Wer die Waffen hat oder Jenen nahesteht, die die Waffen haben, kann den Aufwand meiden, die eigene Rolle im Universum oder auch nur in der Gemeinschaft zu reflektieren, womöglich den Tun-Ergehen-Zusammenhang in Frage zu stellen.
Die radikale Forderung der Religionen, Gerechtigkeit nicht durch Vernichtung der ungerecht Handelnden herzustellen, sondern indem wir jeweils selber gerecht leben, und in Vertrauens-Vorleistung gehen und verzichten, ist eine Zumutung. Wir Reflektierteren, wir gewählt Unbewaffneten, sind die Gearschten, weil wir wegen der Anderen die andere Wange hinhalten müssen, wenn Jemand unsere rechte schlägt. Mathematik und Friede.
Liebe Bewaffnete: Steckt euch eure Kränkungen bitte irgenwohin, wenn ihr sie nicht verbalisieren könnt, oder nicht selber zeichnen könnt. Ich erkenne diese oder jene kollektive Kränkung an. Der Westen war nicht immer nett zu Allen, nein. Aber Töten ist nicht, und wenn, dann keine Zivilist_innen. Feiglinge. Arschlöcher. Das heißt „Auge um Auge“, nicht „Auge um Auflage“.
Liebe Journalist_innen: Wenn Leute erschossen und angeschossen werden, möchte ich nicht als Erstes betont bekommen, worauf die Mörder_innen sich berufen, sondern, was für die Opfer getan wird. Und ich will mittelfristig erfahren, wo die Mörder_innen ihre Waffen herhaben und was dagegen getan wird, dass Waffen gefühlt jedem Testosteron-Junkie zugänglich sind. Quasi-Theologische Debatten („Wie bedrohlich ist [Glaube-X]?“) überfordern die meisten Verbraucher_innen und schüren nur Ängste.

Nochn Kontext:
Ich bin als Deutscher deutscher Herkunft in Deutschland kein Gastgeber. Wir wohnen Alle hier. Deutschland ist nicht meine Wohnung.
Patriotismus nervt, ob deutscher oder europäischer, beides dumm und verlogen. Yay, Schillerkiez. (Wegen der Vielfalt der Lebensentwürfe.) Werte sind nicht national organisiert, sondern kulturell. Vielfalt ist ein kultureller Wert. Und wer etwas gegen Islamisierung hat, soll sich sinnvoll in Gesetzgebung einbringen und nicht undifferenziert Vorurteile und kollektive Anschuldigungen skandieren. PEGIDA ist der Untergang des Abendlandes.
Einwanderung wird zunehmen. Gewöhnt euch. Besorgt euch Wörterbücher, sprecht mit echten Menschen. Eignet euch Medienkompetenz an, statt „Lügenpresse“ zu rufen. Es muss nicht heiliger sein, aber ich fordere ein Mindestmaß an Geist.

Es muss in medial angeführten Debatten mehr um Gewalt gehen und weniger um religiöse und andere Weltanschauungsunterschiede. Mensch berufen sich auf jeden Scheiß, um ihren ethischen Kontrollverlust zu rechtfertigen. („Isch wurde als Kind geschlagen und misch hats auch nisch geschadet.“) Wir müssen darauf nicht reinfallen.

Kopernikus, Darwin, Nietzsche, Freud … Die großen Kränkungen der Menschheit.
Gott entwaffnet uns nicht mehr. Das müssen wir selber machen.

[Dieser Artikel enstand unter der bewussten Vermeidung gewisser, zurzeit verschlagworteten Begriffe.]


*Wer mal eben so sagt: „Wir glauben Alle an denselben Gott,“ sagt damit aus, dass Menschen, die ausdrücklich nicht an Gott glauben oder glauben wollen, gerade ausgeschlossen sind — aus Worumauchimmeresgeradegeht. Das ist nicht in jedem Fall legitim.

„in den nächsten Tagen“

Ich habe das_geflecht zwar entflechtet (siehe Eintrag vom 27.10.), auch in etwa so schnell wie ich es mir vorgenommen hatte, aber es zeigt sich, dass BookRix ihren Editor wieder geändert haben und dass ich mit der vorgehaltenen Covergestaltung nicht einverstanden bin, sodass ich für die Reihe also neue Cover erstelle, bevor ich sie weiter veröffentliche. Das braucht dann mehr Zeit als veranschlagt. Sorry. (Liest hier überhaupt Jemand mit?)
Zudem hatte ich meinen Rechner zeitweilig geteilt. Nun ist er wieder allein mein.

Auf Facebook gibt es Arthur Hindrich nur noch als Autor-Seite; das persönliche Account habe ich gelöscht. Themen: Identität, nach Geschlecht/Gender, Kultur — und auch Spezies (drum kommen auch mal Tier-Videos vor).
Autor-Seiten kann mensch leider nicht abonnieren, nur liken, was dooferweise Bekenntnischarakter hat (mensch ist dann „Fan“). Ich lege es nicht wirklich darauf an, zu gefallen oder eine Anhänger_innenschaft zu pflegen. Mir gehts ums Schreiben und um Zugang.

Gruß
art