„Tina, kannst du mir noch mehr auf den Sack gehen?“
„Weiß nicht. Kann ich?“
„Nein, kannst du nicht!“
„Was’n los, Matze, haste deine Tage, oder so?“
„Mädchen, du pfeifst die ganze Zeit vor dich hin; merkst du das gar nicht?“
„Nee, was pfeif‘ ich denn?“
„Na, irgend so einen Modern-Talking-Scheiß.“
„Kann gar nich‘ sein, Modern Talking ist scheiße.“
„Eben. Und pfeifen kannst du auch nicht.“
„Aber erkannt hast’es!“
„Aua! … Tina, wie schreibt man ‚Rhetorik‘? Mit H?“
„Jupp.“
„Und wo?“
„Nach’m R. Is‘ griechisch. Kennste kein Rho?“
„Doch. Klugscheißer. Kennst du kein Theta?“
„Klugscheißerin, wenn ich bitten darf. Mach doch die Rechtschreibprüfung an.“
„Habe ich, aber die ist auf Deutsch eingestellt.“
„Aua!“
„Wann hast du denn dein Graecum gemacht, Tina?“
„Mann, Ich hab‘ kein Graecum; ich bin nur gebildet.“
„Gut gebildet bist du, Weib.“
„Du meinst ‚gut gebaut‘. Chauvi.“
„Sorry … Anglizismus. Wie schreibt man ‚Chauvi‘?“
„Weiß nicht. Schreib doch ‚Macho‘.“
„Wollt’s ja gar nicht schreiben.“
„‚Macho‘ passt gut zu dir. Ich nenn‘ dich ab jetzt so.“
„Okay. ‚Matze‘ gefällt mir eh nicht.“
„Schreibt sich ‚Matthew‘ eigentlich auf englisch auch mit zwei T? Wie ‚Matthias‘?“
„Jupp … Zuhause nennen mich alle ‚Matt‘. Heißt du eigentlich wirklich ‚Tina‘?“
„Nee. Martina. Sagt aber kein Mensch.“
„Kann man zu dir dann nicht auch ‚Matze‘ sagen?“
„Hmm … Kann man.“
„Wenn wir ein eigenes Büro haben, dann nennen wir es ‚Matze & Matze‘!“
„Willst du ein eigenes Büro haben?“
„Na, klar. Du nicht?“
„Mit dir? Warum?“
„Dann könnten wir Sex haben.“
„Könnten wir nicht. Macho.“
„Matze.“
„Auf welchem Schreibtisch?“
„Hmm?“
„Auf welchem Schreibtisch würden wir Sex haben? Auf deinem oder meinem?“
„Wir hätten nur einen. Und eine Matratze.“
„‚Matze und Matze und ’ne Matratze.'“
„Yo.“
„Yo … Macho, bist du gar nicht schwul?“
„Nein, nur Engländer.“
„Hä?“
„Ich klinge nur schwul für deutsche. Wegen des Akzents.“
„Du findest mich ziemlich scharf, oder?“
„Jupp. Wir könnten sogar den Schreibtisch weglassen. Naja, und die Matratze, von mir aus.“
„Dann bin ich aber oben.“
„Deal.“
„Deal … Soll ich den Chef bitten, einen Teppich zwischen die Schreibtische verlegen zulassen?“
„Sehr rücksichtsvoll, aber unnötig. Zuhause habe ich einen zum aufrollen.“
„Aus religiösen Gründen?“
„Für Sport. Rückenübungen und so.“
„Also ’ne Matte.“
„Jupp. Eine Matte.“
„Oh, je.“
„Warum ‚Oh, je.‘?“
„Dann stehen wir morgen um halbneun hier auf der Matte?“
„Ohoho. Deal … Also, wenn wir stehen, dann können wir die Matte auch weglassen.“
„Stimmt.“
„Tina? Warum haben wir dann nicht gleich Sex?“
„Weil wir gleich Feierabend haben, mein Lieber. Du bist wirklich nich‘ schwul, wa‘?“
„Nee.“
„Und der Chef?“
Der ist schwul. Was meinst du, wie ich den Job hier bekommen habe?“
„Macho.“
„Matze.“

[Januar 2008]