Lücken und Chancengleichheit

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Equal Pay Day. Blöd, dass so viel schöngeistig über die unterschiedlichen Zahlen diskutiert wird. Im Schnitt verdienen in Deutschland Frauen 22 Prozent weniger als Männer. Bereinigt von freiwilligen, „privat“ genannten Entscheidungen und wenn gleiche Qualifikation und Arbeitszeiten berücksichtigt werden, reduziert sich diese Zahl – je nach Quelle – auf zwischen ca. 2% und 7%. Dieser – deutlich geringere – Unterschied wird darauf zurückgeführt, dass Frauen anders ihre Gehälter verhandeln als Männer und dass sie weniger schnell aufsteigen („glass ceiling“). Die realen Gehaltsunterschiede innerhalb von Betrieben sind dort umso größer, wo eh so viel verdient wird, dass kein Leid aufkommt, höchstens etwas Verlust an Lebensstandard (nicht Lebensqualität), wenn auf sieben Prozent Gehalt eines/einer Verdienenden pro Haushalt verzichtet wird. So dolle sehe ich da also keinen akuten Handlungsbedarf.
Manche Diskussionen würden sich jedoch erledigen, wenn wir umdenken würden: Die Unterscheidung von „privat“ (Famile/Haushalt) und „öffentlich“ (alles andere Soziale), zum Beispiel, ist ein überholtes patriarchal-bürgerliches Konstrukt. Ich bin ganz für Subsidiarität. Aber.
Warum Gehalt heute noch als etwas Privates verstanden wird, ist mir schleierhaft. An Geld ist rein gar nichts privat. Offenlegung der Vergütungsstruktur – und wo es keine solche Struktur gibt, der konkreten Gehälter – finde ich völlig gerechtfertigt und unproblematisch. Würden Frauen sich seltener bieten lassen, weniger zu verdienen als ihre männlichen Kollegen, wenn sie es nicht nur ahnten, sondern wüssten? Mir egal. An der Stelle geht es nur um Geld. Nicht aussagekräftig.
Im sozialen Bereich wird im Schnitt geringer vergütet als in anderen, aber außerhalb des sozialen Bereichs (also dort, wo keine gesellschaftlich notwendigen Dienstleistungen erbracht werden) verdienen mit Sicherheit ein paar Leute einfach ungerechtfertigt viel. Auf Mathe dürfen wir nicht reinfallen. Im sozialen Bereich herrschen beispielsweise angenehm flexible Arbeitbedingungen; die sind durch den Gewinn an Lebensqualität durchaus oft etwas weniger Einkommen wert.
Whatever. Ich denke jetzt mal in Richtung („Privat“-)“Haushalte“. Ehegattensplitting ist nicht per se ein Problem. Im Gegenteil; der Staat/die Gemeinschaft darf unterstützen, dass nicht alle in einem Haushalt Lebenden einer Vollzeiterwerbstätigkeit nachgehen müssen, um über die Runden zu kommen. Welchen Zweck das Splitting bei Haushalten mit hohem Einkommen erfüllt, weiß ich nicht.
So. Zum Punkt. Was michn bisken stört, ist dass bisher die Tatsache vernachlässigt wird, dass nicht alle Berufe in gleichem Maße zum Wohlergehen der Gesellschaft beitragen. Wer soziale Arbeit macht, sollte nicht auch noch gezwungen sein, daheim unvergütete Arbeit, hauswirtschaftliche, pflegerische Versorgung zu betreiben, weil der/die Partner/in das Gros des Haushaltseinkommens mit einer weniger sinnvollen Erwerbsstätigkeit gewährleistet. Ob Frau oder Mann oder …
Das Einkommen der in sozialen Berufen Tätigen muss irgendwie an die Einkommen der Hochverdienden gekoppelt werden. Wie? Per Tarifverträge (wie bisher). Wie hoch? Das darf dann mathematisch gelöst werden. Angebot und Nachfrage ist da kein nachhaltiges Prinzip.
Soziale Arbeit – ob sie im Haushalt erfolgt oder ob dafür eine Einrichtung oder ein fremder Haushalt betreten wird – darf nicht weniger wert erscheinen als Werbung oder das Herumschieben von Zahlen, das der Bereicherung Weniger dient.
Wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fisch … nee … der letzte Fluss … nee …
Eat the rich.

Yay.

Endlich gibt es ihn, den Wikipedia-Artikel zum Begriff „Familienroman“ aus Ranks „Der Mythus von der Geburt des Helden“, an dem ich mich reichlich bedient habe. Hatte wohl lange nicht nach dem Artikel gesucht; er ist über ein Jahr alt. Ich hatte ernsthaft in Erwägung gezogen, ihn selbst anzulegen. Das hätte aber komisch-prätentiös wirken können, hatte ich doch bereits selbst ein Werk verfasst und online veröffentlicht, das den Begriff im Titel trug.
Den Artikel „Drachentöter“ gibts schon lange.

Schön, dass Drewermann drin vorkommt. Ohne Drewermann wäre ich ungetauft. Und ohne Sartre, Nietzsche und Freud. Go figure. Recht wäre es ihnen wohl nicht.
Für das_geflecht ist Jung übrigens relevanter als Freud; das ist eher postödipal angelegt.

Mauerschau: Dialog, monologisch aufbereitet

Anders

Monolog, innerer

Frage

An der Ecke

An der Ecke spricht mich ein Junge an, fast alt genug, um cool zu sein. Vielleicht elf? Lederjacke. Er fragt mich, ob er seine Mutter anrufen könne; er warte seit einer halben Stunde hier auf sie. Er meint mein Handy. Es ist ihm unangenehmer als er zeigen will. Er könnte höflicher sein. Ich bitte ihn, mir die Nummer zu sagen, damit ich sie eintippen kann. (Ich vermute, er könnte schneller rennen als ich und ich will ihm das Handy nicht ohne Weiteres aushändigen. Vertrauensbildende Maßnahme.)
Ich tippe ein und frage nochmal nach, um zu sehen, ob die Nummer sich ändert (weil sie vielleicht ausgedacht ist). So langsam sehe ich Anzeichen von Stress, oder eher Kummer in seinem Gesicht – aber die Nummer ist zweimal dieselbe und ich zeige ihm das Eingetippte und tu so, als wäre ich ungeschickt, damit er mein Misstrauen nicht spürt. Nummer stimmt. (Hand aufs Herz: Wie viele von euch kennen die Handynummer eurer Mutter auswendig?) Ich gebe ihm das Handy. Er schimpft sehr kurz arabisch ins Handy, wendet sich ab, weint aber nicht und gibt mir schnell das Handy wieder und drückt mich beiläufig ziemlich uncool: „Danke! Sie kommt gleich. Danke. Danke.“